Die Heilwirkung von Edelsteinen

Um Steine in jeglicher Form ranken sich seit Urzeiten viele Mythen und Legenden. Ob als magischer Anhänger, verschönernder Schmuckstein, religiöses Requisit oder geheimnisvolle Heilsteine - Edelsteine über eine faszinieren Wirkung auf uns Menschen aus.

Antike und Mittelalter

Schon die Ägypter hatten den zwölf Tierkreiszeichen je einen Edelstein zugeordnet. Griechen und Römer benutzten manche Steine in der Medizin, die alten Inder und auch die Araber glaubten an die heilende Wirkung der Steine. Sicher schon vor Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) wurden Heilsteine auch in Mitteleuropa verwendet, aber von ihr gingen - wie in vielen anderen Dingen auch - große Impulse aus.

Theophrast (370–287 v. Chr.), Plinius der Ägypter (23–79 n. Chr.) und Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) verfaßten sogenannte Steinbücher. Während erstere sich mehr der Nennung der wichtigsten Edelsteine widmeten, behandelte Dioskurides in seiner »Arzneikunde« alle in der Medizin benutzten Steine. Die Orphischen Steinbücher (»Orphei Lithica«) aus dem 4. Jh. n. Chr. und aus dem Umfeld der Sekte der Orphiker, zählen 29 Steine mit besonderer Heilwirkung auf. Als wichtigster Stein galt ihnen der Bergkristall. Der im 5. Jh. n. Chr. entstandene »Damiger« von Latinus listet schon fast alle bekannten Steine auf. Die Araber setzten die hellenistisch-römische Tradition fort, trennten Zauberglauben und Medizin und bauten die Lehre von der inneren Verwendung der Edelsteine weiter aus. In Indien verstand man sich von alters her darauf, die getrübte Aura des Menschen mit heilenden Steinen wieder herzustellen, so daß die kosmischen Schwingungen erneut ungestört in den Mensch eindringen konnten.

Nach dem Bild Hildegard von Bingens soll Gott wunderbare Kräfte in die Edelsteinen gelegt haben. Ihre therapeutischen Anwendungsempfehlungen orientieren sich stark am naturwissenschaftlichen Weltbild der Antike. Den 4 Elementen Feuer, Wasser Erde und Luft wurden die Eigenschaften warm, feucht, kalt und trocken zugeordnet. So wie sie im richtigen Verhältnis für Harmonie stehen, so sollen die Mineralien im Krankheitsfalle die körperliche Harmonie wieder herstellen. Der Smaragd ist ein Stein des Feuers. Dem Wasser ordnet Hildegard von Bingen den Chalzedon zu. Und der Saphir ist ein Stein der Luft. Für die Erde mit kalten und trockenen Eigenschaften steht der Granat. Er soll Krankheiten entgegenwirken, die sich feucht und warm äußern, wie z.B. Fieber.

Paracelsus hat dann im 16. Jahrhundert Mineralien systematisch aus Edelsteinen extrahiert, um sie als Heilmittel einzusetzen. Hundert Jahre später – in der Zeit der Aufklärung war dafür aber kein Raum mehr in der Heilkunde.



Die moderne Steinheiltherapie

Bis heute haben sich die überlieferten Theorien Hildegard von Bingens gehalten und finden Anwendung, zum Beispiel in Naturheilpraxen bei Steinheiltherapien gegen Migräne. Hildegard von Bingen ging davon aus, dass die von Edelsteinen ausgesandten Schwingungen entweder durch Boten, z.B. Wasser oder Wein, oder über die Haut auf das zentrale Nervensystem wirken. Die größten Heilerfolge boten nach ihr die zwölf Grundsteine Gottes: Heliotrop, Saphir, Chalcedon, Smaragd, Sardonyx, Karneol, Peridot, Beryll, Topas, Chrysopras, Zirkon und Amethyst. Der Saphir z.B. sei gut gegen Dummheit oder Zornausbrüche. Der Heliotrop, auch Hildegardjaspis genannt, soll den Verstand stärkern und vor geistiger Zerstreutheit schützen. Der Karneol (auch Sarder genannt) soll gut gegen Nasenbluten helfen, der Amethyst gegen Läuse.
Als Heilmethode wurde und wird bei fast allen Völkern vor allem das Auflegen, das in den Mund nehmen und die Aufladung von Flüssigkeiten über Edelsteine angewendet. Manchmal wird der Stein auch pulverisiert und dann als Tinktur oder Salbe angewendet. Die Steine sollen negative Energien abbauen, für Harmonie im Körper sorgen und verborgene Kräfte freisetzen.

Aberglaube oder Wundermittel?

Beweisbar ist all das leider nicht. Viele halten die Edelsteintherapien für reinen Aberglauben. Andere wiederum schwören, dass die Steine Krankheiten heilen können, bei denen kein Medikament und kein normaler Arzt mehr helfen kann. Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus lässt sich das wohl nicht untermauern. Sicher aber wirken die Steine beruhigend und stress lösend, da der Anwender sich ja sowieso in entspannten Zustand versetzen sollte, um offen für die "Schwingungen" und "Energien" der Steine zu sein.


Die den Edelsteinen eigene Doppelnatur aus Energie und Materie ist es, die erfolgreicher wirkt als so viele moderne Pharmaka. In »Hildegard-Heilkunde von A–Z« heißt es dazu treffend: »Neueste Forschungsergebnisse zeigen, daß die Interaktion neurophysiologischer Abläufe mit elektromagnetischen Schwingungen im limbischen System, dem Glücks- oder Gefühlszentrum des Menschen, zustande kommen und so auf das Abwehrsystem des Menschen Stimulationen auslösen können. Auf gleiche Weise wirken in diesem Zentrum religiöse, kreative oder positive Erlebnisse und wirken bis in den mythologischen Bereich der rechten Gehirnhälfte, in dem Urbilder, Ursymbole und Urprozesse gespeichert sind, die für den Heilungsprozeß genutzt werden können.«

Die Kunst des Heilens mittels Edelsteinen liegt in der Erzielung der Übereinstimmung von spirituellen, physischen sowie psychischen Kräften im Menschen. Die Steine bauen negative Schwingungen in uns ab, setzen verborgene,schlummernde Kräfte wieder frei und vermitteln uns dadurch die Übereinstimmung von Seele und Körper. Wir gewinnen durch sie neue Kraft und lernen wieder, selbst zu entscheiden, bei gleichzeitiger Befreiung von lange aufgebauten Ängsten.